11.06.2019 |
Opinion

Die Hitze kommt, wo bleibt das Grün?

Fribourg ist eine Kleinstadt, so gut wie in den Bergen, in bequemer Nähe zu tollen Naherholungsgebieten. Innerhalb weniger Minuten kann man ins Grüne entfliehen, ob in den Bois de Belle-Croix, den Bois de Moncor oder an die Saane. Eigentlich alles super, kein Grund sich zu beschweren. Aber so toll, wie es den Anschein macht, ist die ganze Sache mit dem Grün in Fribourg auch wieder nicht.

Zwar sind in vielen Strassen Bäume gepflanzt, es gibt kleine Parks und private Gärten, doch wenn es so richtig heiss wird, dann hilft das wenig. Denn zwei Baumreihen auf dem Boulevard de Pérolles sind im Vergleich zu den Unmengen dort verbauten Betons gelinde gesagt: gar nichts.

Der Beton sorgt dafür, dass Städte unter Sonneneinstrahlung zu Gewächshäusern werden. Die Hitze kann sich in den Häuserschluchten nicht verflüchtigen, die Kohlendioxidkonzentration ist hoch, durch die grosse Oberfläche der Gebäude wird viel Wärme aufgenommen, die der Beton und Strassenteer exzellent speichern und nach und nach an die Umgebung abgeben. Die Stadt heizt sich weiter auf.

Alles halb so wild, könnte man meinen. Fribourg ist doch winzig, soviel Beton ist das doch gar nicht, es liegt ausserdem in gemässigten Breitengraden, wirkliche Hitze gibt es hier doch gar nicht, und wenn, dann im Sommer, wenn sowieso alle weg sind. Das Problem bei diesem Gedankengang ist nur, dass es auf der ganzen Welt immer heisser wird, auch in der Schweiz, auch in Fribourg. Es wird immer wärmer, und Städte trifft es aus den oben genannten Gründen besonders. Was man dagegen machen kann, könnte man sich nun fragen. Aufhören, fossile Rohstoffe zu verfeuern, zum Beispiel. Das scheitert leider am Unwillen der politischen und wirtschaftlichen Elite auf der ganzen Welt. Doch die Stadt in der Hitze lebenswerter zu machen, das ist machbar.

Bäume, generell alle Pflanzen, funktionieren in Städten wie gigantische Klimaanlagen, denn die Bäume lassen Wasser verdunsten, wozu sie der Umgebungsluft Energie entziehen müssen, in diesem Fall Energie in Form von Wärme. Diese Wärme ist dann im Endeffekt weniger in der Luft, diese also kühler. Das ist genau dasselbe Prinzip, wie es auch der menschlichen Körper beim Schwitzen anwendet. Ausserdem spenden Bäume Schatten, was bei hohen Temperaturen ein wahrer Segen sein kann.

Der riesige Moloch Athen ist bei Hitze erträglicher als das kleine Städtchen Fribourg. Das ist eigentlich unglaublich, allerdings nur auf den ersten Blick. Und es liegt nicht daran, dass in Athen jeder Haushalt eine Klimaanlage hat. Sondern an der Bepflanzung. Athen ist von Bäumen übersät, die Strassen sind eng, es ist, sieht man von einigen zwielichtigen Vierteln ab, sehr gut möglich, sich von Baumschatten zu Baumschatten zu bewegen. Jetzt ist natürlich klar, dass Fribourg nicht die kleinen Gässchen Athens nachbauen kann, aber eine Scheibe abschneiden, dass könnte sich Fribourg sehr wohl. Bäume kühlen wunderbar, wieso nicht mehr Bäume pflanzen? Da nicht einfach mehr Platz geschaffen werden kann, müsste man sich überlegen, worauf in Zukunft am besten verzichtet werden kann. Auf Fusswege? Auf Fahrradwege? Auf Busstreifen? Oder auf Strassen? Der Klimawandel sollte nicht als Bedrohung gesehen werden, sondern als Chance, endlich verpflichtet zu sein, etwas zu verändern. Um Fribourg auch in zukünftigen Sommern lebenswert zu machen, müssen wir die Stadt neu denken. Entweder als Betonwüste oder als belebten Park.

 


 

Divers·e·s représentant·e·s de la société civile se sont porté·e·s volontaires pour créer des chroniques sur les histoires, les personnalités et les particularités qui caractérisent leur commune. Au travers de leurs publications, ces personnes externes à l'Assemblée constitutive explorent l’identité du Grand Fribourg. Elles abordent aussi différents sujets en lien avec la fusion des communes.

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Milan Herlth

Étudiant, Collège Sainte-Croix