02.07.2019 |
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Die Saane zwischen Rossens und Schiffenen

Als Wirtschaftsmotor vergangener Jahre und als Sprach- und Kulturgrenze – dem Röstigraben – erahnt man schnell die historische Bedeutung der Saane für die Region. Aber es gibt noch eine Besonderheit.

Man staunt nicht schlecht, wenn man das erste Mal den Flusslauf in Freiburg sieht. Die Saane mit den Mäandern, die tiefen Schluchten und die vielfältige Vegetation. Alles begann vor etwa 18.000 Jahren als die Region mit einer Eisschicht von 300 Metern bedeckt war. Mit dem Rückzug des Rhonegletschers grub sich die postglaziale Saane 90 Meter tief in die Erdschicht. Der Saane-Canyon entstand und so gibt es nun auf kleinster Fläche drei verschiedenartige Lebensräume mit unterschiedlichen Ökosystemen. Es gibt die steilen Felswände, den bewaldeten Steilhang und die Auengebiete mit der jeweiligen charakteristischen Pflanzen- und Tierwelt. 

Doppelt so viel Pflanzenreichtum wie eine mitteleuropäische Stadt

Die Magere Au ist die artenreichste Gegend entlang der Saane mit mediterranem Klima und Vegetation sowie Kalt- und Feuchtgebieten. Das hat auch einen Einfluss auf die Fauna. Mehr als 162 Vogelarten einschliesslich der Brut- und Zugvögel wurden entlang der Saane gezählt, darauf wiesen die Mitglieder des Ornithologischen Kreises Freiburgs, Michel Beaud und Simon-Pierre Parrat, hin. Um das noch zu topen, auch die Nähe zum Alpengebiet ist ein Segen für die Biodiversität. Entlang der Saane gibt es ca. 45 Bergpflanzenarten, die normalerweise nur in den Voralpen ab einer Höhe von 1000 m ü. M. vorkommen. Des Weiteren entdeckten die Biologen vom Botanischen Garten der Universität Freiburg eine Vielfalt an 1100 Pflanzenarten und das trotz unmittelbarer Nähe zur Stadt. «In einer Stadt vergleichbarer Grösse in Deutschland beispielsweise wachsen nicht mehr als 500 Arten» mit diesem Vergleich verdeutlichen Gregor Kozlowski und Christian Purro das besondere Naturerbe Freiburgs.

Der Mensch, die Industrie und die Folgen für die Natur

Dennoch hinterlässt der vierte Lebensraum – der des Menschen – und die zunehmende Urbanisierung ihre Spuren. Ein massiver Eingriff begann durch den Bau des Staudamms in Rossens im Jahr 1948. Dieser verhindert den Samentransport der Bergpflanzen aus der Alpregion, so dass die Hälfte davon seit geraumer Zeit nicht mehr gesichtet worden sind. Auch die Auendynamik entlang des Saane-Ufers wurde durch Korrekturen des Wasserlaufs beeinträchtigt. Eine Flussaue ist die Verbindungszone zwischen dem Gewässer und des Landes, sie ist essentiell für die Fauna und stellt die natürlichen Laichzonen zur Fortpflanzung von verschiedenen Fischkulturen dar. Diese natürlichen Zonen sind in den Stadtgebieten der Saane nun erheblich eingeschränkt. Laut Jacques Eschmann, dem Vorstand von Pro Natura, sind beheimatete Fischarten wie die Forelle, Saibling, Zander, Egli und Barbe seltener geworden und das Symbol der Unterstadt, der Näsling, ist sogar vom aussterben bedroht. Die ursprüngliche Umgebung für die Fische zur Erholung und zum Reproduzieren bietet noch das Naturschutzgebiet Perolles-See.

Auch die Ansiedlung der Industrie verursacht Schäden. Noch vor 10 Jahren wurde ein hoher PCB-Gehalt in den Forellen nachgewiesen, obwohl die Verwendung von PCB aufgrund der toxikologisch langlebigen Eigenschaft bereits seit 1986 untersagt wurde. Eine weitere Schlagzeile machte das Wasserkraftwerk Oelberg vor zwei Jahren. Die natürliche Schwankung des Wasserstandes des Flusses wird durch den Betrieb zur Stromerzeugung gestört und das löste ein Massensterben einer Fischart, die der Lauben aus, die zum Laichen auf das Kiesbett kamen. Auch das Beispiel verdeutlicht ein Umdenken im Sinne für mehr Nachhaltigkeit. 

Eine Chance für Grossfreiburg

Naturschutz sollte deshalb auf mehreren Ebenen gedacht werden. Das Revitalisierungsprojekt Saane hat die Renaturierung der Wasserzonen und die Wiederherstellung einer natürlichen Auendynamik zum Ziel. Aber auch die Etablierung weiterer geschützter Grünzonen müssen bedacht werden und Industrieprojekte sowie neue Wohnbauvorhaben entlang des Flusses sorgfältig geprüft und ausgewählt werden. Die Gemeinden​ haben nun die Möglichkeiten gemeinsam Rahmenbedingungen zu vereinbaren, die den Landschaftscharakter des Saane-Deltas mit ihren Zuflüssen aufwerten und dabei Orte der Erhohlung im Einklang mit der Natur und des modernen Lebens schaffen.

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Die steilen Felswände bieten einen Raum für Pflanzenarten, die für die Freiburger Region ungewöhnlich sind. Die Hohlräume dienen zudem als Nistplatz für den Wanderfalken oder den Uhu. 

 

Referenzen: 

Jean Steinauer (red.), Libre Sarine - La Rivière, La Ville et les Gens. Fribourg. 2005:

  • Gregor Kozlowski, Christian Purro, Ein grosser Pflanzenreichtum, S. 29-33.
  • Jacques Eschmann, Les poissons à la peine, S. 35-38.
  • Michel Beaud, Simon-Pierre Parrat, La rivière aux 162 noms d'oiseaux, S. 41-43.
  • Michel Monbaron, Michelle Bollschweller, …et la Sarine s'enfonça dans le sol, S. 23-26.

 

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