Freiburg, die Unbekannte. | Assemblée constitutive du Grand Fribourg
15.01.2019 |
Opinion

Freiburg, die Unbekannte.

Ende 2018 zählte die Bevölkerung der Gemeinde Freiburg etwas mehr als 38'400 Personen, knapp 37% davon waren ausländischer Nationalität. Nahezu jede dritte Person! Ein nicht unerheblicher Teil der Gemeinschaft ist also in einem anderen Land geboren und aufgewach​sen. Welchen Eindruck vermittelt die Stadt und die Region auf zugewanderte Menschen? Ein Erfahrungsbericht.

Wenn man sich aufmacht um in die Fremde einzukehren, trägt man immer auch ein Stück Heimat in sich - oder man sucht sie sich in der Fremde. Für unseren neuen Wohnort hatten wir das Glück von Bern bis zum Genfer See ein Stück neue Heimat aussuchen zu dürfen. Wir haben uns für Freiburg entschieden. Warum? Mit meinem Mann, französischer und ich deutscher Herkunft, war die Zweisprachigkeit der Stadt und des Kantons Freiburg ein gutes Argument, wenngleich sicher nicht das Wichtigste. Ich würde sagen, die Wahl für die Stadt war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Es war der Augenblick als wir uns auf der Route des Alpes wiederfanden und auf das darunter- und das gegenüberliegende Plateau schauten: die Stadtarchitektur malerisch im Lauf der Saane eingebunden, schneckenförmige und verwinkelte Strassenzüge, neuere Bauten neben vergangener Geschichte. Eine Stadt, die zum Entdecken einlädt.

Diesem Gedanken folgend und um mehr über die mittelalterliche Stadt zu erfahren, nahm ich an einer Stadtführung teil und wunderte mich zweierlei. Zum Einen war ich über das Klientel des Rundgangs überrascht. Wen ich erwartet hatte? Möglicherweise Touristen oder Neuankömmlinge, so wie ich. Doch das Gegenteil war der Fall, es waren allesamt Einheimische aus der Region, die das Bedürfnis hatten mehr über ihren Ort zu erfahren. Es ging also auch den Anderen so, die vielen architektonischen Feinheiten der Stadt, die eng mit der Geschichte verwoben sind, verstehen zu wollen. „Kennen Sie Freiburg?“ auf der Freiburger Ortstafel wird es trefflich formuliert. Wieviele Vorbeifahrenden können die Frage mit „ja“ beantworten?

Die zweite Überraschung, die ich während dem Stadtrundgang machte, führt mich wieder zur Sprache. Ausgeschrieben als ein zweisprachiger Rundgang wurde kurzum entschieden französisch zu sprechen. Ich war fasziniert von der sprachlichen Flexibilität und der Leichtigkeit der lokalen Bevölkerung zwischen den zwei Sprachsphären, französisch und deutsch, zu jonglieren. Eine Bewunderung, die jeder Deutsche mit mir teilen würde. Nun, die anfängliche Faszination wich seither einer immer grösser werdenden Dissonanz: Der sprachliche Alltag gestaltet sich doch eintöniger als erwartet und möchte dem hohen Anspruch der Stadt und des Kantons an Zweisprachigkeit nicht so recht zufrieden stimmen. Ich habe den Eindruck das lokale Deutsch weicht in der Öffentlichkeit fast immer einem französischen Selbstverständnis. Selbst in einem deutschen Kontext kommt es reflexartig vor, sich in der französischen Sprache zu unterhalten.

Es hat natürlichen einen Grund, sich in einer Referenzsprache zu unterhalten, auf die man sich immer und zu jeder Zeit verständigen kann. Französisch ist nun mal der kleinste gemeinsame „kommunikative“ Nenner im schnelllebigen Alltag. Für die vielen Zuwanderer ist die französische Sprachkultur ohnehin zugänglicher als die deutsche Mundart. In diesem Sinne ist es eine beachtliche und folgerichtige Bestrebung von den Gemeinden und des Kantons, die regionale Sprachvielfalt zu stärken. Denn Freiburg ist in sprachlicher Hinsicht, genau wie die Stadtarchitektonik, vielschichtig und auf den ersten Blick nicht zu greifen. Doch genau das macht den Ort so besonders.

 

Bildquelle: Ansicht auf die Straße „Routes des Alpes“, Freiburg im Üechtland. Eigene Darstellung.

Stat_Online​: appl.fr.ch/stat_statonline/portraitif/etape2.asp?Reference=136, 10.01.2019

 


 

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Cindy Nezzar

Fribourg