03.10.2019 |
Article factuel

Fribourg For Future

Stellt euch vor die Arktis brennt, die Wälder vertrocknen, die Gletscher schmelzen rasant. Das ist kein dystopisches Untergangsszenario, das ist unsere Erde im Sommer 2019. Im Rahmen des dritten globalen Klimastreiks wurde vergangenen Freitag auch in Freiburg gestreikt. Was die Demonstranten aussprechen, ist die Angst vor einer weltweiten ökologischen Krise. Demnach fordern sie die Einhaltung der Klimaziele des Pariser Abkommens im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Doch was wird konkret unter dem Begriff der Nachhaltigkeit verstanden und warum ist es so schwierig dies umzusetzen?

Nachhaltigkeit ist ein neues Paradigma, das 1992 auf der Rio-Konferenz von der Völkergemeinschaft als neues Leitbild für das 21. Jahrhundert beschlossen wurde. Neben der Politik gibt es nun auch in der Wirtschaft und zunehmend in der Gesellschaft einen Konsens, dass eine nachhaltige Entwicklung für die Gestaltung einer stabilen Zukunft von höchster Bedeutung ist. Die eigentliche Problematik an dem Begriff der «Nachhaltigkeit» ist, dass man ihn scheinbar drehen und wenden und so auslegen kann, wie man möchte. Denn es gibt drei Denkweisen zu Nachhaltigkeit, die sich im Wesenskern widersprechen. Und darin liegt das eigentliche Dilemma. 

Im Kern geht es bei Nachhaltigkeit um gesamtwirtschaftliches Kapital (bestehend aus Natur- und Sachkapital) das für zukünftige Generationen erhalten bleiben soll, um die Generationengerechtigkeit zu sichern. Nach Michael von Hauff tauschen die Befürworter einer schwachen Nachhaltigkeit beide Kapitalformen gegeneinander aus: Naturkapital kann durch Sachkapital beliebig substituiert werden. Überspitzt formuliert kann beispielsweise «die zunehmende Vergrösserung des Ozonlochs durch Sachkapital (Sonnencreme, Bekleidung, medizinische Vor- und Nachsorge) kompensiert werden» argumentiert von Hauff. Diese Logik fällt unter das Paradigma einer nachhaltigen Entwicklung, da es die Generationengerechtigkeit gewährleistet. 

Hingegen priorisieren die Vertreter einer starken Nachhaltigkeit den Schutz des ökologischen Systems. Wenn natürliche Ressourcen konsumiert werden, sollten diese erneuerbar sein. Denn das menschliche Überleben hängt von der Erhaltung besonders sensibler Ökosysteme ab, die es zu schützen gilt. Man merkt schnell, dass die Positionen miteinander unvereinbar sind, dennoch denken beide im Sinne der Nachhaltigkeit. Dazwischen gibt es die ausgewogene Nachhaltigkeit, welche ökologische Bedürfnisse einbindet, jedoch im Wesenskern den Primat der Ökonomie bestätigt. Die Frage ist, ob dieser Mittelweg auch langfristig nachhaltig ist. 
 

Wie positioniert sich Grossfreiburg? 

Die konstituierende Versammlung hat in Arbeitsgruppen ein Fusionskonzept erarbeitet, das verschiedene Massnahmen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Entwicklung vorsieht.  Die ökologischen Ziele sind u.a. die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und den Langsamverkehr, die Reduktion von Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft, das Schützen der Biodiversität. In Bezug auf die Energie- und Klimapolitik, hat die konstituierende Versammlung den Status des höchsten Energiestadt-Labels als eines der übergeordneten Ziele definiert; ein Programm vom Bundesrat: «zur Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien mit freiwilligen Massnahmen».

Die Klimaaktivisten haben ein klares Statement: entsprechend dem Pariser Abkommen die Treibhausgase deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Ansonsten werden ökologische Kipp-Punkte erreicht, die für das Klima (und für uns Menschen) irreversibel sind. In der Tat handelt es sich bei dem Konzept der Energiestadt um ein freiwilliges Anreizsystem für die Gemeinden; konkrete Ziele zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen werden für einzelne öffentliche Aktivitäten mit den Gemeinden im Sinne einer ausgewogenen Nachhaltigkeit beraten und umgesetzt. Auch die Art und Weise der Umsetzung von Massnahmen lässt erkennen, welche Form der Nachhaltigkeit verfolgt wird. Werden beispielsweise neue Fahrradwege auf Kosten von Grünflächen errichtet oder wird ein Teil des motorisierten Verkehrswegs zur Verfügung gestellt? Man sollte also stets genau hinschauen. Die konstituierende Versammlung hat ein erstes Zeichen gesetzt. Im zweiten Schritt geht es darum innovative Lösung zu entwickeln und die Agglomeration im Sinne einer starken zukunftsfähigen Nachhaltigkeit zu gestalten. 

 

Info- und Quellenmaterial:

  • Wie ist Dein ökologischer Fussabdruck? Hier geht es zum Footprint-Rechner
  • Grève du Climat Fribourg, Website
  • Energiestadt, Website
  • Michael von Hauff (2014): Nachhaltige Entwicklung - Grundlagen und Umsetzung, 2. Aufl. München

Bild: Grève du Climat Fribourg

 


 

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Cindy Nezzar

Fribourg